Historische Darstellungen, Zunftzeichen und Symbole des Brauer- und Mälzerhandwerks

Ausblick

Die vorliegende Arbeit basierte auf einer umfangreichen Literaturrecherche und Quellenarbeit. Im Zuge diese Aufarbeitung war besonders auffällig, daß die Zeichnung des Pyrprew Herttel [132] zwar übereinstimmend in allen Quellen als älteste bekannte Darstellung eines deutschen Bierbrauers aufgeführt wurde, jedoch keine der Quellen dafür einen Beweis lieferte. Auch konnte trotz der eingehenden Literatursuche nicht festgestellt werden, von wem diese Feststellung ursprünglich stammte. Sicherlich kann es eine abschließende Gewißheit über irgend etwas „Ältestes“ nicht geben – es könnte ja jederzeit noch etwas Älteres gefunden werden – jedoch ist es schon ungewöhnlich und auch unbefriedigend, daß es bisher scheinbar keine umfassende Recherche in dieser Richtung gab [133] . Es ist anzunehmen, daß in den alten Archiven der Klöster und Städte noch einige biergeschichtliche Bilder-Schätze ihrer Entdeckung harren. Vor allem in Regensburg, in dem der Bierzeiger schon Anfang des 14. Jahrhunderts erwähnt wurde [134] , und das eine der ältesten Siedlungen in Süddeutschland ist [135] sollte diesbezüglich eigentlich Material vorhanden sein.

Ein weiterer möglicher Ansatzpunkt sind daneben noch die alten Schachzabelbücher. Dabei handelt es sich um Bildbände, in denen die weltliche Ordnung, Moralvorstellung und Ständegliederung des Mittelalters anhand des Schachspiels aufgezeigt wird. Die Bauern des Spiels werden dabei gerne als zeitgenössische Handwerker dargestellt. Nachdem das Schachspiel schon vor der Jahrtausendwende nach Europa gelangte, könnten in den frühesten dieser Bücher möglicherweise alte Brauerzeichnungen gefunden werden.

Abb. 37: Bäcker (und Brauer?),
15. Jahrhundert, Behaim-Codex, Krakau

In der obenstehenden Darstellung erkennt man einen Bäcker bei der Arbeit. Daneben ein Kessel mit Trageringen (wie bei Herttel), der unter Feuer steht. In den Ausführungen und Analysen zum Behaim-Codex wird diesem Kessel keine große Bedeutung beigemessen. Doch warum sollte ein Bäcker neben dem Ofen einen Kessel beheizen? Zur Teigbereitung war dies wohl nicht nötig. Wie in dieser Arbeit geschildert wurde, waren Bäcker und Brauer oft gemeinsam in Zünften organisiert – viele Bäcker brauten sogar selbst. Über den Rohstoff Hefe waren beide miteinander verbunden. Vielleicht sehen wir hier auf dem Bild einen Bäcker der auch Brauer war. Möglicherweise gibt es ähnliche andere Zeichnungen, die vor dem Hintergrund der Verbindung von verschiedenen Zünften eventuell neu bewertet werden müssen. Der Forschung bleibt also ein großes Betätigungsfeld offen.

Die Ausführungen zum Brauerstern müssen ebenfalls als nicht abgeschlossen betrachtet werden. Von Interesse wäre vor allem die ursprünglichste Herkunft und Bedeutung des Hexagramms und wie es dann zu den unterschiedlichen Bedeutungskreisen in der mittelalterlichen Welt kam. Daneben wäre es wichtig die Beziehungen und Verbindungen zwischen Alchimie und Brauwesen zu klären, um den tatsächlichen Einfluß des alchimistischen Hexagramms auf den Brauerstern abschätzen zu können. Auch hier bleibt den Historikern noch ein weites Forschungsgebiet.


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[132] Siehe Abbildung 7

[133] Dr. Artur Dirmeier vom Katharinenspital Regensburg äußerte sich in einer eMail and den Autor dieser Arbeit ähnlich

[134] Vgl. Kapitel 4.2

[135] Castra regina in römischer Zeit. Die älteste deutsche/römische Brauerei (ca. 200 n. Chr., gefunden bei Ausgrabungenn im Jahre 1978) findet sich ebenfalls in der Nähe von Regensburg. (Irene Krauß, S. 54)