Historische Darstellungen, Zunftzeichen und Symbole des Brauer- und Mälzerhandwerks

Problemstellung

Die Brauereien in Deutschland sind in den letzten Jahren mit einem sich permanent verschlechternden Gesamtgeschäftsklima konfrontiert. Nicht nur hat innerhalb der Brauwirtschaft ein fast schon gnadenloser Verdrängungswettbewerb eingesetzt, sondern der Bierabsatz insgesamt geht aufgrund eines gestiegenen Angebotes an alternativen Getränken immer weiter zurück. Neben einem qualitativ hochwertigen Produkt sind in der Folge dieser Entwicklung das Brauerei- beziehungsweise Markenimage und damit das Marketing zu einem wesentlichen ökonomischem Erfolgsfaktor für die Betriebe geworden.

Ein verbreiteter Marketing-Ansatz im Braugewerbe ist die Profilierung als Traditionsunternehmen mit seit Jahrhunderten verbesserten Brauverfahren und der entsprechenden geschichtlichen Verwurzelung. Das Zugpferd dieser Verkaufstrategie ist oft der Hinweis auf das Bayerische – respektive Deutsche – Reinheitsgebot von 1516. Des weiteren wird gerne auf die lange Kulturgeschichte des Bieres und seine Verbindung mit der menschlichen Historie verwiesen.

Da die Zielsetzung des Marketings – der Aufbau eines positiven und einzigartigen Images und damit die Kundenbindung – bei der Mehrheit der Konsumenten nicht durch wissenschaftliche Abhandlungen erreicht werden kann, sind die historischen Ausführungen meist recht kurz gehalten und zum besseren Verständnis mit Bildmaterial angereichert. Zur Verwendung kommen geschichtliche Darstellungen von Bierbrauern, zum Beispiel aus dem Mittelalter, oder alte Symbole des Brauwesens. Leider werden diese öfter im falschen Zusammenhang eingesetzt oder nicht korrekt interpretiert, dazu zwei kurze Beispiele:

1.      Auf der Webseite der Brauerei Schumacher (Düsseldorf), wird das Wappen eines Rotbiertrinkers gezeigt [1] . In Wahrheit handelt es sich dabei jedoch um das Nürnberger Stadtwappen [2] .

2.      Auf der Webseite des Brauforums wird Herttel Pyrprew [3] als Beispiel für die Braukunst der Mönche bezeichnet [4] . Wie später noch gezeigt wird, entspricht dies nicht den Tatsachen [5] .

Diese fehlerhaften Angaben sind allerdings kein brauspezifisches Problem, wie ein Proseminar zur falschen Verwendung von mittelalterlichen Handwerkerillustrationen in Printmedien an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg beweist [6] . Solche falschen Ausführungen sind dem Marketingziel natürlich nicht zuträglich, vor allem dann, wenn der interessierte Kunde an anderer Stelle unterschiedlich lautende Informationen erhält und somit die Glaubwürdigkeit des Betriebes in Frage gestellt wird. Wie auch beim Reinheitsgebot – das von der Kleinbrauerei in Franken wortwörtlich genauso zitiert wird, wie von der niedersächsischen Großbraustätte – müssen die Brauereien bemüht sein, eine sowohl schriftlich als auch grafisch einheitliche Darstellung der geschichtlichen Zusammenhänge zu verwenden. Nur so kann diese beim Kunden glaubwürdig wirken.

Im Rahmen dieser Arbeit sollen daher verschiedene Bilder, Zunftzeichen und Symbole des Brauer- und Mälzerhandwerkes vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen, politischen und nicht zuletzt auch der braugeschichtlichen Situation dargelegt und interpretiert werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem mittelalterlichen Süddeutschland, speziell der Kaiser- und späteren Reichsstadt Nürnberg, da hier zahlreiche Bilddokumente vorliegen und der Einfluß der in dieser Zeit erscheinenden Symbole auf die Gegenwart, zum Beispiel bei Wirtshausschildern und Zunftwappen, deutlich sichtbar ist. Den Braubetrieben und Verbänden soll diese Analyse als Instrument dienen, mit dem die geschichtlichen Bildmaterialien in Werbeauftritten aller Art sachlich korrekt, einheitlich und somit für den interessierten Biertrinker verständlich eingesetzt werden können.


 

[1] Internetverzeichnis: Brauerei Schumacher

[2] In Nürnberg wurde zwar Rotbier getrunken, jedoch ist die Symbolik für den Rotbiertrinker eine andere. Dazu mehr im Kapitel 4: Ausschankzeichen.

[3] Literaturverzeichnis: Faksimile Mendelsches Hausbuch, S. 38

[4] Internetverzeichnis: Jens Hoffmann, Allerdings handelt es sich dabei um einen häufig vorkommenden Fehler, da fast schon die Mehrheit der Geschichtsquellen den Herttel als Mönch ausweisen.

[5] Literaturverzeichnis: Irene Krauß, S. 61

[6] Internetverzeichnis: Proseminar von Dr. Selzer, Universität Halle-Wittenberg